Wenn Du in Nextcloud ein Word-Dokument im Browser öffnest, arbeitet dahinter immer ein Document Server. Drei Kandidaten stehen zur Wahl: Euro-Office, OnlyOffice und Collabora. Alle drei beherrschen kollaboratives Editing, alle drei laufen bei uns. Die Unterschiede liegen woanders — im Lizenzmodell, im Support-Weg und in den Formatstärken. Dieser Artikel ist die Entscheidungshilfe, damit Du nicht raten musst.
Was alle drei gemeinsam haben
Ein Document Server ist die Server-Komponente hinter dem Browser-Office: Er konvertiert Dokumente, synchronisiert die Bearbeitungen mehrerer Nutzer in Echtzeit und speichert das Ergebnis zurück in Deine Nextcloud. Für Dich sieht das aus wie „Word im Browser” — technisch redet Deine Nextcloud über einen Connector mit dem Editor-Server.
Alle drei Kandidaten können: gleichzeitiges Bearbeiten mit sichtbaren Cursorn, Kommentare, Änderungsverfolgung, die gängigen Dokumentformate. Keiner davon ist eine Fehlentscheidung. Die Frage ist, welcher zu Deinen Dateien, Deinem Kostenmodell und Deinen Support-Anforderungen passt.
Euro-Office: die souveräne EU-Suite
Euro-Office ist die neue europäische Office-Suite, getragen von einem Konsortium um Nextcloud, IONOS, XWiki und OpenProject. Zwei Dinge machen sie interessant:
Bewährte Technik statt Neuanfang. Euro-Office baut auf einer millionenfach eingesetzten Document-Server-Engine auf. Die DOCX/XLSX/PPTX-Kompatibilität ist darum auf einem Niveau, das junge Projekte sonst nicht liefern — Formeln, Pivot-Tabellen und komplexe Layouts überleben das Hin- und Herwechseln mit Desktop-Office.
Vollständig Open Source, ohne Verbindungs-Lizenzen. Es gibt keine Community-Edition mit Limit und keine kommerzielle Vollversion — genau eine Suite für alle. Wie viele Leute gleichzeitig editieren können, ist eine reine Hardware-Frage, keine Lizenz-Frage.
Bei uns ist Euro-Office in allen Nextcloud-Tarifen vorinstalliert — sowohl im Nextcloud Hosting als auch beim Nextcloud Server. Du klickst auf ein Dokument, der Editor geht auf, fertig. Wer viele gleichzeitige Editoren hat, planbare Performance braucht oder Euro-Office an eine andere Plattform anbinden will (Confluence, Mattermost, eigene App), bekommt beim Euro-Office Hosting einen dedizierten Server.
OnlyOffice: gleiche Engine-Familie, kommerzieller Support-Weg
OnlyOffice und Euro-Office stammen aus derselben Engine-Familie — im Editor wirst Du auf den ersten Blick kaum einen Unterschied sehen. Gleiche starke DOCX/XLSX/PPTX-Kompatibilität, gleiches Kollaborations-Modell, gleiche Connectors für Nextcloud, Confluence und Co.
Der Unterschied liegt im Modell drumherum:
- Community Edition: Open Source, limitiert auf 20 gleichzeitige Verbindungen. Für Privatnutzer, Vereine und kleine Teams oft völlig ausreichend.
- Kommerzielle Lizenz: hebt das Limit (50, 100 oder 200 Verbindungen) und bringt offiziellen Hersteller-Support plus Update-Garantie mit. Die Lizenz läuft jährlich.
Das ist der eigentliche Grund, OnlyOffice zu wählen: Wenn Deine Organisation einen kommerziellen Support-Vertrag auf die Software selbst braucht — etwa weil die IT-Richtlinie oder eine Ausschreibung das vorschreibt — bekommst Du den bei OnlyOffice mit kommerzieller Lizenz. Ein Community-Projekt kann Dir so einen Vertrag naturgemäß nicht verkaufen. Wir sind OnlyOffice-Partner und liefern Server und Lizenz aus einer Hand; Details und Preise stehen auf der Seite OnlyOffice Hosting.
Collabora: LibreOffice im Browser
Collabora Online ist der dritte Weg und technisch ein anderer Stamm: LibreOffice-Technologie, als Server-Dienst aufbereitet. Das bringt zwei Eigenheiten mit:
Stark bei ODF. Wer konsequent mit OpenDocument-Formaten arbeitet (.odt, .ods, .odp) — weil eine Behörden-Vorgabe es verlangt oder der Dokumentbestand aus LibreOffice kommt — ist bei Collabora zu Hause. ODF ist dort das native Format, kein Import-Ziel.
Andere Bedienphilosophie. Collabora fühlt sich an wie LibreOffice, nicht wie Microsoft Office. Wer jahrelang LibreOffice am Desktop genutzt hat, findet sich sofort zurecht. Wer aus der Microsoft-Welt kommt, braucht Eingewöhnung — die Menüs und Werkzeuge liegen anders.
Bei uns ist Collabora auf Wunsch nutzbar. Wie Du es in Deiner Nextcloud aktivierst, steht in Collabora Online einrichten und nutzen.
Formatfrage zuerst: DOCX oder ODF?
Nach unseren Erfahrungen ist das die schnellste Vorentscheidung. Frag Dich, in welchem Format 90 % Deiner Dokumente vorliegen:
- DOCX/XLSX/PPTX — Du tauschst regelmäßig Dateien mit Microsoft-Office-Nutzern, Kunden schicken Word-Dokumente: Euro-Office oder OnlyOffice. Beide arbeiten nativ mit den Microsoft-Formaten, ohne Zwischenkonvertierung — das erspart Dir die typischen Layout-Verschiebungen.
- ODT/ODS/ODP — LibreOffice-Bestand, ODF-Vorgabe: Collabora.
Gemischte Bestände funktionieren mit allen dreien. Aber wer täglich Word-Dateien mit Externen hin- und herschickt, hat mit der Euro-Office/OnlyOffice-Engine spürbar weniger Reibung.
Entscheidungslogik in vier Fragen
- Arbeitest Du überwiegend mit ODF-Formaten oder kommst aus der LibreOffice-Welt? → Collabora.
- Schreibt Deine Organisation kommerziellen Hersteller-Support mit Vertrag vor? → OnlyOffice mit kommerzieller Lizenz.
- Willst Du ohne Lizenzkosten fahren — mit MS-Office-Kompatibilität und europäischer Trägerschaft? → Euro-Office, bei Bedarf als dedizierter Server.
- Keine besonderen Anforderungen? → Euro-Office. Es ist in unseren Nextcloud-Tarifen vorinstalliert — nichts einzurichten, nichts dazuzubuchen.
Bei unseren Nextcloud-Kunden läuft es in den meisten Fällen auf Euro-Office hinaus — es ist schon da, kostet nichts extra und deckt den Alltag ab. Die typische Ausnahme sind Organisationen mit Support-Vertrag-Pflicht (OnlyOffice) und ODF-Puristen (Collabora).
Häufige Fragen
Kann ich später den Editor wechseln? Ja, jederzeit. Deine Dokumente liegen als normale Dateien in der Nextcloud — der Editor ist nur die App davor. Ein Wechsel heißt: anderen Connector aktivieren, alten deaktivieren. Bei unseren Nextcloud-Tarifen schreibst Du uns ein Ticket über mein.xaweho.de/kontakt, wir stellen um.
Merken meine Nutzer einen Unterschied zwischen Euro-Office und OnlyOffice? Im Alltag kaum — gleiche Engine-Familie, sehr ähnliche Oberfläche, gleiche Formate. Die Unterschiede (Lizenzmodell, Support-Weg) liegen hinter den Kulissen und betreffen Dich als Admin, nicht Deine Nutzer.
Kann ich zwei Editoren parallel betreiben, etwa Collabora für ODF und Euro-Office für DOCX? Technisch lässt sich in Nextcloud pro Dateityp ein Editor zuordnen. Wir raten trotzdem ab: doppelter Wartungsaufwand, und Nutzer verstehen selten, warum sich derselbe Klick mal so und mal anders anfühlt. Entscheide Dich für einen Standard und bleib dabei.
Was kostet mich das jeweils? In unseren Nextcloud-Tarifen ist Euro-Office ohne Aufpreis enthalten. Für dedizierte Server und OnlyOffice-Lizenzen schau auf die Produktseiten Euro-Office Hosting und OnlyOffice Hosting — dort stehen die aktuellen Preise.
Brauche ich überhaupt einen dedizierten Document Server? In den meisten Fällen nicht. Das vorinstallierte Euro-Office in unseren Nextcloud-Tarifen reicht für den Alltag. Ein eigener Server lohnt sich, wenn viele Leute regelmäßig gleichzeitig editieren, die Performance planbar sein muss oder Du den Editor an eine Plattform außerhalb Deiner Nextcloud anbinden willst.
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