WebDAV ist eine Erweiterung von HTTP, mit der Du einen entfernten Speicher wie ein lokales Netzlaufwerk einbindest — direkt im Mac-Finder oder Windows-Explorer, übers Internet, mit HTTPS-Verschlüsselung. Aus unserer Praxis: das beste Protokoll, wenn Du keinen VPN willst, aber trotzdem die Synology bei uns als Netzlaufwerk haben möchtest.
Im Vergleich zu SMB hat WebDAV Vorteile, die im Internet-Setup zählen:
- HTTPS-basiert: läuft auf Standard-Port 443 (oder 5006), wird von keinem ISP geblockt.
- Verschlüsselung Standard: TLS 1.2/1.3, kein „SMB im Klartext”-Risiko.
- Auth über DSM: 2FA-Schutz aus dem DSM-Login zieht.
Nachteil: bei vielen kleinen Files langsamer als SMB, weil HTTP-Overhead pro Request.
WebDAV-Server aktivieren
- Paket-Zentrum → „WebDAV Server” suchen → Installieren.
- WebDAV Server öffnen (eigenes Icon im DSM-Hauptmenü).
- Tab HTTP / HTTPS:
- HTTPS aktivieren anhaken (HTTP unbedingt aus).
- HTTPS-Port: 5006 (Standard), oder ändern wenn Du einen Custom Port willst.
- Speichern.
Falls Du Let’s Encrypt für die Synology eingerichtet hast (siehe Let’s-Encrypt-Zertifikat einrichten), nutzt WebDAV automatisch dieses Zertifikat — kein zusätzliches Setup.
Berechtigungen prüfen
Auf einem WebDAV-Server gilt: alle Shared Folders, auf die der einloggende User Zugriff hat, sind sichtbar.
Wenn ein User keine bestimmten Shares sehen soll, in Systemsteuerung → Benutzer & Gruppe → Berechtigungen entsprechend einschränken.
Auf macOS mounten
Im Finder:
- Cmd+K oder Gehe zu → Mit Server verbinden.
- URL:
https://<deine-synology-domain>:5006- Beispiel:
https://12345.nas.xaweho.de:5006
- Beispiel:
- Verbinden klicken.
- Login mit DSM-Benutzer und -Passwort. Wenn 2FA aktiv: TOTP-Code eintragen.
- Im Schlüsselbund speichern für automatischen Login.
Wichtig: macOS hat einen seit Jahren bekannten Bug mit WebDAV — manche Shares zeigen leere Inhalte beim ersten Mount. Trick: einmal aushängen und neu verbinden, dann läuft’s.
Auf Windows mounten
Windows-Explorer:
- Dieser PC → Rechtsklick → Netzlaufwerk verbinden.
- Laufwerksbuchstabe wählen.
- Ordner:
\\<deine-synology-domain>@SSL@5006\<freigabename>- Beispiel:
\\12345.nas.xaweho.de@SSL@5006\Dokumente
- Beispiel:
- Verbindung mit anderen Anmeldeinformationen herstellen anhaken.
- Login.
Achtung Windows-Eigenheit: standardmäßig hat der Windows-WebDAV-Client ein File-Size-Limit von 50 MB. Beim Hochladen größerer Dateien gibt’s Fehler.
Fix in der Registry:
HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Services\WebClient\Parameters\FileSizeLimitInBytes
Auf 4294967295 (4 GB) setzen, WebClient-Dienst neu starten. Danach gehen größere Files.
Auf Linux mounten
# davfs2 installieren
sudo apt install davfs2
# Mount
sudo mount -t davfs https://12345.nas.xaweho.de:5006/Dokumente /mnt/synology
Beim ersten Mount fragt davfs2 nach Login-Daten. Persistent in /etc/davfs2/secrets:
/mnt/synology DEIN-USER DEIN-PASSWORT
Mit chmod 600 /etc/davfs2/secrets absichern.
WebDAV-Apps auf Smartphone
iOS und Android haben keinen nativen WebDAV-Client mit Finder-Style-Mount. Stattdessen:
- Synology Drive App spricht zwar nicht direkt WebDAV, ist aber funktional ähnlich (Sync, Browse).
- Documents by Readdle (iOS) — kann WebDAV-Mounts, gute App für Datei-Browsing.
- Solid Explorer (Android) — WebDAV-Support eingebaut.
Für reine Smartphone-Nutzung empfehlen wir Synology Drive — da hast Du die bessere UX.
Kompatibilität mit anderen Apps
WebDAV wird von vielen Drittanbieter-Apps direkt unterstützt:
- Notes-Apps wie Obsidian, Joplin: synchronisieren über WebDAV.
- Office-Suites wie LibreOffice: können direkt aus WebDAV speichern.
- Backup-Tools wie rclone: nutzen WebDAV als Ziel.
Die Liste ist lang — wenn eine App „WebDAV-Sync” anbietet, geht das mit Deiner Synology.
Best Practices aus unserer Praxis
Eigener User pro WebDAV-Use-Case. Wenn Du eine App nur lesend zugreifen lassen willst, leg einen User mit Read-Only-Permission auf den entsprechenden Folder an. So bleibt der Schaden begrenzt, falls die App-Credentials irgendwo leaken.
App-Passwörter nutzen, wenn 2FA aktiv ist. DSM unterstützt App-spezifische Passwörter — separater Token pro App, einzeln revokable. Praktisch für WebDAV-Clients, die kein 2FA können.
Bandwidth-Limits berücksichtigen. Wenn Du viele große Files mit WebDAV synchronisierst, kann das die Internet-Anbindung belasten. Auf der Synology gibt’s keine WebDAV-Bandwidth-Limits direkt — manche Apps haben eigene.
Cache-Probleme bei macOS WebDAV. Wenn Files nach Änderung „falsch” aussehen, ist das oft macOS’ Finder-Cache. Cmd+Option+R für Hard-Reload, oder Mount neu aufbauen.
Häufige Fragen
Ist WebDAV langsamer als SMB? Bei vielen kleinen Files: ja, deutlich. HTTP-Overhead pro Request kostet. Bei großen Files (>100 MB): kein spürbarer Unterschied.
Funktioniert WebDAV mit Apple iCloud Drive Konto? Nein. iCloud Drive ist ein Apple-proprietärer Sync-Service. WebDAV ist ein Standard-Protokoll, das Apple-Apps wie der Finder unterstützen, aber iCloud Drive selbst kann kein WebDAV.
Wie viele parallele WebDAV-Sessions verkraftet die NAS? Plus-Modelle ohne Probleme 50–100. Bei mehr (etwa Multi-User-Szenarios) eventuell den nginx-Server in DSM tunen — frag uns, wenn Du an Limits stößt.
Kann ich Office-Dokumente direkt im WebDAV-Mount bearbeiten? Microsoft Word und LibreOffice: ja, du öffnest die Datei direkt im Mount, speicherst zurück. Funktioniert in der Praxis fast immer — bei Word manchmal kurze Lock-Konflikte, wenn zwei User parallel öffnen.
Was, wenn ich gleichzeitig WebDAV und SMB nutze? Geht problemlos. WebDAV und SMB schreiben in dieselben Shared Folders, Btrfs handhabt das als gleichwertige Schreibzugriffe. Bei Locks (offene Datei): wer zuerst kommt, gewinnt.
Verschlüsselt WebDAV die Daten am Server? Nur die Verbindung (TLS). Daten auf der Synology sind unverschlüsselt, außer Du hast einen verschlüsselten Shared Folder.
Muss ich für jeden Shared Folder eine eigene WebDAV-URL haben? Nein. Nach Login siehst Du alle Shares automatisch — wie ein Verzeichnis im Hauptordner.
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