Eine Retention-Policy entscheidet, wie viele Backups Du pro VM aufbewahrst — und wie weit zurück Du restoren kannst. Die Kunst ist die Balance: nicht zu viel, weil Speicher kostet — nicht zu wenig, weil Du im Notfall den passenden Snapshot brauchst.
Die fünf Retention-Achsen
PBS unterstützt fünf Achsen, die kombiniert werden:
| Achse | Was sie tut |
|---|---|
| keep-last N | Behält die N neuesten Backups, völlig unabhängig vom Datum |
| keep-hourly N | Behält ein Backup pro Stunde, für die letzten N Stunden |
| keep-daily N | Behält ein Backup pro Tag, für die letzten N Tage |
| keep-weekly N | Behält ein Backup pro Woche (typisch Sonntag), für die letzten N Wochen |
| keep-monthly N | Behält ein Backup pro Monat, für die letzten N Monate |
| keep-yearly N | Behält ein Backup pro Jahr, für die letzten N Jahre |
PBS rechnet intelligent: Snapshots, die mehrere Kriterien gleichzeitig erfüllen, werden nicht doppelt gezählt. Ein Sonntags-Backup vom 31. Dezember zählt sowohl für keep-weekly als auch für keep-monthly und keep-yearly.
Standard-Empfehlung für Privatkunden
keep-last: 3
keep-daily: 7
keep-weekly: 4
keep-monthly: 6
keep-yearly: 2
Damit hast Du:
- Die 3 letzten Backups (sofort verfügbar)
- 7 tägliche Backups (Stand jeder der letzten 7 Tage)
- 4 wöchentliche (jeden Sonntag des letzten Monats)
- 6 monatliche (das letzte des Monats)
- 2 jährliche (das letzte des Jahres)
Effektiv ungefähr 17–22 Snapshots pro VM. Bei deduplizierender Speicherung sind das deutlich weniger Speicher als „22× volles Backup”.
Setup für mehr Sicherheit (Praxen, Kanzleien, Compliance)
keep-last: 7
keep-daily: 30
keep-weekly: 12
keep-monthly: 24
keep-yearly: 7
Damit hast Du:
- Stand jedes Tages der letzten 30 Tage
- Stand jeder Woche der letzten 3 Monate
- Stand jeden Monats der letzten 2 Jahre
- Stand jeden Jahres der letzten 7 Jahre
Audit-tauglich, oft von Datenschutzbeauftragten gefordert.
Setup für Test- und Entwicklungs-VMs
keep-last: 3
keep-daily: 3
keep-weekly: 1
Sehr kurze Retention — Du brauchst meist nur den aktuellen Stand. Spart Speicher.
Setup für hochfrequente Backups
Wenn Du tagsüber alle 4 Stunden sicherst (Datenbanken, Mail-Server):
keep-last: 24 # die 24 letzten = ungefähr 4 Tage bei 4h-Intervall
keep-hourly: 6 # eines pro Stunde, letzte 6 Stunden
keep-daily: 14
keep-weekly: 4
keep-monthly: 6
keep-hourly ist relevant nur bei hochfrequenten Backups. Bei einem täglichen Job ist es egal.
Wo die Retention konfiguriert wird
Im PVE-Backup-Job (empfohlen):
- Datacenter → Backup → Job auswählen → Edit → Tab Retention
- Werte eintragen, Save.
Die Retention wirkt nach jedem Backup-Lauf — Prune läuft automatisch direkt im Anschluss.
Im PBS-Datastore (Datastore-weit):
- Datastore → <dein-datastore> → Prune & GC
- Eine separate Schedule + Retention setzen.
Wenn beide gesetzt sind, gilt die strengere Policy.
Test mit Dry-Run
Bevor Du eine Retention live setzt, mach einen Dry-Run:
In der GUI: Datastore → Content → <vm> → Prune (Action-Menü) → Dry-Run aktiviert.
Auf der CLI:
proxmox-backup-client prune \
vm/100 \
--keep-daily 7 --keep-weekly 4 --keep-monthly 6 \
--dry-run \
--repository 12345@pbs@pbs01.xaweho.de:12345
Du siehst, welche Snapshots gelöscht würden. Wenn das passt, ohne Dry-Run echt ausführen.
Spezielle Snapshots schützen
Wenn Du wichtige Snapshots vor jeder Retention schützen willst:
- Datastore → Content → Snapshot wählen → Protected Häkchen setzen.
Geschützte Snapshots werden ignoriert von jedem Prune — sie bleiben, bis Du sie manuell löschst.
Praktisch z.B. für:
- “Backup vor PostgreSQL-Major-Update”
- “Stand vor Migration zu neuem Server”
- “Compliance-Snapshot Q4 2026”
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen keep-last und keep-daily?
keep-last=3 behält die drei letzten Backups, egal wann sie entstanden sind — auch wenn das alle innerhalb der letzten Stunde war. keep-daily=3 behält ein Backup pro Tag für die letzten drei Tage. Bei einem täglichen Backup-Job ist der Effekt ähnlich; bei mehrfach-täglichen Backups ist der Unterschied groß.
Kombinieren oder einzeln nutzen?
Kombinieren. Die Achsen widersprechen sich nicht — sie ergänzen sich. keep-last als Sicherheitsnetz, keep-daily/weekly/monthly als Zeitachse, keep-yearly für Langzeit-Compliance.
Was, wenn ich die Retention nachträglich strenger mache? Beim nächsten Prune-Lauf werden die Snapshots gelöscht, die nach der neuen Policy nicht mehr passen. Geschützte (Protected) Snapshots bleiben.
Wieviel Speicher braucht eine “lange” Retention? Dank Deduplizierung weniger als naiv erwartet. Eine VM mit 100 GB Daten und 24 monatlichen Snapshots belegt typisch 130–180 GB im Datastore (nicht 2400 GB). Bei häufig ändernden Daten mehr, bei stabilen Daten weniger.
Können verschiedene VMs verschiedene Retentions haben? Ja. Pro PVE-Backup-Job eine eigene Retention. Wenn Du einen Job für Test-VMs und einen für Produktiv-VMs hast, kannst Du pro Job unterschiedlich konfigurieren.
Was, wenn ich keine Retention setze? Dann werden Snapshots niemals automatisch gelöscht. Datastore wächst und wächst. Nicht zu empfehlen — Du musst dann manuell prunen.
Wie sehe ich, was eine bestimmte Retention bedeuten würde? Im PVE-Backup-Job: Tab “Retention” → unten siehst Du eine textuelle Beschreibung der aktuellen Einstellung. Im PBS gibt’s einen ähnlichen Hinweis.
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